Als ich die Liebesschlösser in Hamburg sah, hatte ich eine Frage: Wie viele dieser Paare reden heute nicht einmal mehr miteinander?
Liebesschlösser in Hamburg und das Versprechen danach
Das Schloss hängt noch.
Jemand hat es ausgesucht. Jemand hat es geschlossen. Vielleicht war jedes Wort von «für immer» ernst gemeint. Ich kenne ihre Geschichten nicht. Die Frage ist, was wir mit unseren eigenen Versprechen machen, wenn der Moment vorbei ist.
Ein Symbol kann ohne unser Zutun an seinem Platz bleiben. Ein Gespräch nicht. Dafür müssen wir da sein. Zuhören. Das Schwierige aussprechen, ohne es zur Waffe zu machen. Platz für eine Antwort lassen.
Ich habe nichts gegen eine romantische Geste. Hängt das Schloss hin, wenn es euch etwas bedeutet. Aber was passiert nach dem Foto?
Mich interessiert die Beziehung, wenn niemand zuschaut. Könnt ihr noch ehrlich reden? Könnt ihr unterschiedlicher Meinung sein, ohne den anderen zum Feind zu machen?
«Für immer» ist ein grosses Wort. Was machst du mit dem heutigen Tag?
Ein Gespräch für heute
Nehmt zum Beispiel ein Versprechen, das euch beiden wichtig ist. Was habt ihr jeweils darunter verstanden? Hat sich seitdem etwas verändert? Solche Fragen lassen eine echte Antwort zu. Sie setzen nicht voraus, dass das Symbol bereits alles erklärt.
Bringt das Versprechen danach in einen gewöhnlichen Tag. Zeit zum Zuhören, eine eingehaltene kleine Abmachung oder ein ehrliches Eingeständnis können das Gespräch konkret machen. Vielleicht braucht etwas Aufmerksamkeit, das bisher unausgesprochen geblieben ist. Dabei geht es ums gegenseitige Verstehen und nicht darum, wer einen Streit über die grössere Zuneigung gewinnt.
Allerdings verraten Liebesschlösser in Hamburg nicht, welche Paare solche Gespräche führen. Ich kann eine Beziehung nicht an einem Stück Metall ablesen. Auch ein schönes Foto beantwortet diese Frage nicht. Die Schlösser haben sie bei mir lediglich ausgelöst. Sinnvoll wird sie dort, wo wir unsere eigenen Worte, Entscheidungen und Gespräche im Alltag anschauen.
Weitere persönliche Gedanken in Briefe von Valon.
