Familie und Freunde fragen mich manchmal, ob ich einem jungen Verwandten eine Stelle geben kann. Ich verstehe den Wunsch. Wenn einem jemand wichtig ist, möchte man eine Tür öffnen. Aber eine Stellenbezeichnung sagt mir noch nicht, was diese Person lernen will oder ob ich sie gut begleiten kann.
Darum beginne ich mit einem Gespräch. Was hast du schon ausprobiert? Was interessiert dich? Was möchtest du werden? Was könntest du zwei Wochen lang üben und mir dann zeigen? Ich frage das, weil ich mir wünsche, jemand hätte mir zu Beginn öfter solche Fragen gestellt.
In der ersten Version dieser Geschichte nannte ich den jungen Menschen «Xhepa». Das war eine Art, von einer Mentorensituation zu erzählen, keine Beschreibung aller jungen Menschen in Kosovo oder auf dem Balkan. Manche Menschen, die ich traf, wollten arbeiten, hatten aber wenig Zugang, Orientierung oder Vertrauen in sich selbst. Andere wussten noch nicht, ob dieser Weg überhaupt ihrer war. Aus einem kurzen Gespräch kann ich die Gründe nicht kennen.
Wenn mir jemand sagt, dass er oder sie Design oder Programmieren lernen will, schlage ich einen kleinen ersten Schritt vor: einen Anfängerkurs wählen, einen realistischen Zeitplan festlegen und mir nach zwei Wochen ein Stück eigener Arbeit schicken. Ist Englisch eine Hürde, suchen wir eine Möglichkeit zum Sprachenlernen oder einen anderen Kurs. Es geht nicht darum, möglichst viele Konten bei Apps anzulegen. Es geht darum zu prüfen, ob der Plan zur Person passt und ob mein Feedback wirklich hilft.
Manchmal kommt etwas zurück. Manchmal nicht. Ich versuche, daraus kein Urteil über den Charakter eines Menschen zu machen. Vielleicht braucht die Person sofort Einkommen, eine andere Mentorin oder ein Ziel, das sie selbst gewählt hat und nicht ihre Familie.
Mit Vigan Myrtaj konnte ich über längere Zeit zusammenarbeiten. In den Jahren, über die ich damals schrieb, führte ihn sein Weg von einem Praktikum zu Designaufgaben in meinen Unternehmen. Seine Geschichte erinnert mich daran, dass Gelegenheit und Einsatz zusammenkommen müssen. Sie beweist nicht, dass allen anderen, die meinem Vorschlag nicht folgten, Ehrgeiz fehlte.
Für mich heisst das, Be the One zu leben: mein Wort halten, wenn ich Hilfe anbiete, ehrlich sagen, was ich geben kann, und der anderen Person die Freiheit lassen, ihren eigenen Weg zu wählen. Wenn du jemanden begleitest: Auf welchen kleinen nächsten Schritt könnt ihr euch gemeinsam einigen?



