Entscheidungen hinterfragen heisst für mich auch, die eigene Ausnahme zu prüfen. Was wäre, wenn alle dieselbe Begründung für ihr Handeln nutzten?
Bevor ich mir etwas erlaube, frage ich mich: Was wäre, wenn es alle täten? Eine Entscheidung lässt sich schwerer rechtfertigen, sobald ich nicht mehr die besondere Ausnahme bin.
Für mich ist sie eine hilfreiche Pause vor einer Entscheidung. Sie regt zum Nachdenken an; sie liefert keine automatische richtige Antwort für jede Situation.
Angenommen, du möchtest eine Vereinbarung nicht mehr einhalten, weil sie unbequem geworden ist. Frage nicht nur, ob du damit durchkommen könntest. Frage, was passieren würde, wenn alle diese Vereinbarung gleich behandeln würden.
Bleib bei der Handlung präzise. Eine Verpflichtung offen mit den Beteiligten zu ändern, ist etwas anderes, als sie stillschweigend zu ignorieren. Ein ungenauer Begriff kann den entscheidenden Teil der Situation verdecken.
Komm nach dem Gedankenexperiment zur konkreten Lage zurück. Wer wäre betroffen? Was wurde diesen Menschen gesagt? Fehlen dir Informationen, oder gibt es eine Verantwortung, die du noch nicht berücksichtigt hast?
Menschen leben unter verschiedenen Umständen. Eine vorgestellte Regel für alle löst nicht jeden Konflikt. Sie kann dennoch zeigen, wo deine Begründung davon abhängt, dir selbst etwas zu erlauben, das du anderen verweigern würdest. Das ist ein guter Moment, innezuhalten und einen Weg zu wählen, den du ehrlich erklären kannst.